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Auf einem guten Weg

Auf einem guten Weg

Eine berufliche Perspektive haben sich vier junge Geflüchtete während ihrer Zeit im Wohnprojekt aussichtsreich erarbeitet; wir berichteten über ihren Auszug. Ihr Start in Arbeit und Ausbildung war holprig. Von ihrem Weg und unserer Hilfe wollen wir hier berichten:

Mit Leichtigkeit hatte ein Afghane zunächst den Hauptschulabschluss nachgeholt. Doch der sofortige Einstieg in eine Ausbildung wollte nicht gelingen. Daher jobbte er zunächst und bewarb sich mit Hilfe von aussichtsreich – diesmal rechtzeitig und gut vorbereitet – bei einem mittelständischen Industriebetrieb um eine Ausbildung als Werkzeugmacher. In Betrieb und Berufsschule kommt er gut zurecht; nur sporadisch nimmt er Nachhilfe in den Fächern Wirtschaft und Gemeinschaftskunde durch Ehrenamtliche in Anspruch.

Bei einem anderen Teilnehmer war an Schule nicht zu denken. Die ständige Sorge um seine kranke, auf sich allein gestellte Schwester in Afghanistan und eigene gesundheitliche Probleme mit dem Innenohr drückten aufs Gemüt. Über ein Praktikum in einem Gerlinger Betrieb fand er zu einem Job als Elektrohelfer – mittlerweile in Festanstellung. Geregelte Arbeitszeiten, die Möglichkeit, die Schwester durch eigenes Einkommen finanziell zu unterstützen und die intensive Begleitung seiner medizinischen Behandlung halfen ihm, sich zu stabilisieren. 

* Eigentlich hatte er den mittleren Bildungsabschluss nachholen wollen. Die Noten an der Berufsfachschule waren gut. Doch vor etwa einem Jahr hatte das BAMF den Asylantrag des Afghanen abgelehnt. Er entschloss sich, dagegen zu klagen, die Berufsfachschule abzubrechen und eine Ausbildung zu beginnen. So kann er sich – unabhängig vom Ausgang der Klage – den Aufenthalt erarbeiten. Durch Praktika hatte der junge Mann den Beruf des Hörakustikers kennengelernt und im Betrieb einen guten Eindruck hinterlassen. Mit dem Wissen um die besondere Situation des Bewerbers gab der Ausbildungsleiter ihm auch ohne mittleren Bildungsabschluss eine Chance. Die Theorie, die er in acht Unterrichtsblöcken von jeweils vier Wochen an der Berufsschule in Lübeck lernt, ist anspruchsvoll. Doch er ist ehrgeizig. „Ich will, ja ich muss das schaffen!“ Der Schwebezustand durch die offene Klage stresst ihn. Nach 4 ½ Jahren in Deutschland sehnt er sich nach einem sicheren Aufenthaltsstatus. Und danach, nach Pakistan zu reisen, um seine kranke Mutter noch einmal zu sehen. Bis zum Abschluss seines Asylverfahrens darf er Deutschland jedoch nicht verlassen. 

Die Aussichten für einen jungen Mann mit guten Deutschkenntnissen und elf Jahren Schulbesuch in Syrien schienen nicht schlecht. Doch die Originalschulzeugnisse – Voraussetzung für die Anerkennung schulischer Leistungen – waren in den Wirren des Bürgerkrieges verlorengegangen. Zahlreiche Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz und verschiedene Praktika im Rahmen einer vom Jobcenter bezahlten Fördermaßnahme führten nicht zum Erfolg. Der Frust war riesig und die Motivation dahin. Nach vielen Gesprächen fasste der junge Mann wieder Mut und fand über eine Aushilfstätigkeit im Seniorenheim eine Arbeit, die ihm Spaß macht. Zum 1. April begann er dort nun eine Ausbildung als Altenpflegehelfer und will anschließend noch die Ausbildung zum Pflegefachmann dranhängen. Mit einer qualifizierten Berufsausbildung kann auch er sich seinen Aufenthalt in Deutschland absichern. Seit dem Sturz Assads und dem Regierungswechsel in Berlin können auch Menschen aus Syrien nicht mehr sicher sein, dass ihr Schutzstatus als Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland verlängert wird.